Sheela na Gig

Dieses wunderbare Bild, das über meinem Altar hängt, ist ein Geschenk von meiner Mithexe Jenny - die ich für eine große Künstlerin halte. Sie hat es geschafft, Sheela na gig genau so zu malen, wie ich sie sehe.

 

Die keltische Sheela na gig ist meine Schutzgöttin.

Für sie habe ich einen Schrein gestaltet, den Du Dir gerne ansehen kannst.

Zum Schrein

Von dieser äußerst faszinierenden Göttin ist leider nicht sehr viel überliefert, daher kann mein Bild von ihr nur ein sehr persönliches sein, das von meinen Begegnungen mit Ihr geprägt ist.  

Sie verkörpert in der keltischen Mythologie alle lebensspendenden Kräfte, denn ihre Vagina, die auf allen Abbildungen weit geöffnet ist, entspricht dem Füllhorn. Sie ist die Gebärende und die Zerstörende und bis in das Mittelalter hinein wurde ihr Abbild zur Abwehr von Unheil an Burgen und Brücken angebracht. 

Auch an irischen Kirchen, die vor dem 16. Jahrhundert erbaut wurden, waren oft Abbildungen von Sheela na gig zu finden und man vermutet, dass die Kirchenoberen diese Figuren anbringen ließen um vor den Verlockungen des Teufels zu warnen und an die Erbsünde der Frauen als Verführerinnen zu gemahnen. Dennoch berührten viele Gläubige bevor sie die Kirche betraten die Vulva, um Segen und Fruchtbarkeit zu erbitten.  Der Ursprung dieser Sitte liegt wohl in der Verehrung der Kelten für die heilige Kraft der weiblichen Genitalien. Ohne Zweifel waren die Statuen ein Schutzzeichen, das noch aus der vorchristlichen Göttin - Verehrung stammte. Dass die Figuren zum Teil wesentlich stärker verwittert sind als das umliegende Mauerwerk legt die Vermutung nahe, dass sie von den heidnischen Stätten stammen, auf denen die Kirchen oft errichtet wurden. Viele dieser Göttin-Figuren fand man noch bis ins 19. Jahrhundert an den Kirchen, bevor sie in der prüden viktorianischen Zeit teilweise beschädigt oder zerstört wurden.

Die steinernen Abbildungen von ihr zeigen sie stets mit weit geöffneter Vulva, die teilweise einladend von ihren Händen auseinander gehalten wird, so als wolle sie uns den Eintritt erleichtern. Sie ist das Tor zur Erde, sie stellt sowohl das Prinzip des Todes wie auch der Geburt dar, aus ihr kommt das Leben, und alles, was stirbt, kehrt in sie zurück um wiedergeboren zu werden. Dieser Teil der Skulpturen ist zum Teil sehr detailliert ausgearbeitet, wogegen Kopf und Körper oft sehr unproportioniert wirken. Allein das Gesicht mit dem klaren Blick direkt in die Augen des Betrachters und dem weisen, einladenden, leicht verschmitzten Lächeln ist wieder aus­führlicher gestaltet.

Faszinierend wirkt sie auf mich vor allem deshalb, weil sie so viele scheinbare Widersprüche in sich vereint. Sie ist zugleich hässlich und schön, abstoßend und anziehend, hart und liebevoll. Indem sie Ihren geöffneten Schoß darbietet, lockt sie uns, einzutreten in den Kessel der Wiedergeburt. Sie lächelt uns ermunternd zu, um uns Mut zu machen. Und Mut ist tatsächlich erforderlich, denn wer sich auf diese Reise begibt, begegnet seinen geheimsten Ängsten.

Es ist ein gefährlicher Weg zurück zu den Anfängen, zu den Wurzeln unseres Seins. Es ist die Aufforderung, Deinem wirklichen Selbst zu begegnen, in den Spiegel Deiner Seele zu sehen. Sheela na gig verlangt von Dir, alle Rollen abzulegen, die Du im täglichen Leben spielst (auch Dir selbst gegenüber). Du wirst Dich selbst erkennen, Deine hellen und dunklen Seiten betrachten. Vor Ihr kannst Du nichts verbergen. Sie führt Dir klar vor Augen, was Du in Deinem Leben sterben lassen musst, damit daraus Neues entstehen kann. Sie ist die Schamanin, die Dir hilft, verlorene Teile Deiner Seele zu finden und zurück zu holen.

Wer sich auf Sheela na gig einlässt, wird erfahren, dass sie streng und schonungslos ist, aber auch tröstend und mütterlich. Sie verschlingt Dich erbarmungslos, ja sie tötet Dich mit einem Lächeln im Gesicht. Sie kann entsetzlich grausam sein, wenn sie Dir zeigt, was dem Tode geweiht ist. Und wenn Du Angst hast und lieber nicht weitergehen willst -  Du hast keine Chance, wenn Du Dich einmal auf sie eingelassen hast. Vielleicht lässt sie Dich auf halbem Weg haltmachen, aber dann gönnt sie Dir nur eine Verschnaufpause.

Verlass Dich darauf, sie wird Dich daran erinnern, dass Du noch ein Stück zu gehen hast. Sie wird Dich immer wieder locken, Dir lächelnd Ihre Vulva bieten, sich in Erinnerung bringen, bis Du schließlich eintrittst in Ihren Schoß.

Und wenn sie sieht, Du bist bereit, trotz Deiner Angst, so nimmt sie Dich bei der Hand und führt Dich. Sie lässt Dich sehen, klar und deutlich, was Dich hindert, ganz zu werden und bietet Dir an, dies alles in ihren Kessel zu werfen und zu wandeln. Sie ist es, die Dir neue Erkenntnissen bringt und Dir hilft, eins mit Dir zu sein, wirklich Du selbst zu sein und all Deine Kräfte zu entfalten und zu nutzen. Sie treibt Dich immer wieder an wenn Du aufgeben willst, sie lockt Dich mit der Aussicht auf die Geburt von etwas Neuem.

Sie ist die weise Alte, die Mutter und gleichzeitig auch die jungfräuliche Göttin und trägt somit alle Aspekte der großen Göttin in sich.

 

Die weiße Göttin:

Sie ist Wachstum, Wissensdurst und neues Leben. Hoffnung und Erwartung sind ihre Attribute. Sie ist die Schutzpatronin für alle Lebewesen im ungeborenen und geborenen Zustand. Ihr Reich ist das der Weisheit, Muse, Kunst und Poesie. Ihre Lehre lautet, dass alles eins ist und wir alle Teil des Ganzen sind. Dieser Aspekt kommt bei Sheela na gig zum Tragen, wenn aus dem Tod das neue Leben entsteht, wenn wir die Geburt von einem neuen Aspekt unserer Seele und inneres Wachstum erleben.

Die rote Göttin:

In Sheela na gig begegnen wir dem roten Aspekt der Göttin bei der Visionssuche. Ihr bleibt nichts verborgen und ein Blick in ihre Augen lässt Dich erkennen, wer Du wirklich bist, welche Dinge Deinen Weg schwierig machen, welche Verhaltensweisen, Zwänge und Konventionen Dich am Wachstum, menschlich wie spirituell, hindern. Und sie offenbart Dir somit, was sterben muss, damit Du neu geboren werden kannst. Sie regiert über die Materie, hütet das Feuer des Lebens und den Kessel der Verwandlung. Sie tanzt das Leben und erfüllt es mit Energie. Sie ist die Königin des Schöpfungsreigens und fordert Dich auf, Dich einzureihen in den Kreislauf des Lebens.

Die schwarze Göttin:

Hier ist Sheela na gig diejenige, die über Tod und Leben regiert, die durch Zerstörung Schöpfung möglich macht, die uns lehrt, dass das eine ohne das andere nicht möglich ist. Sie ist Energie, Kraft, Wildheit, Ekstase und pure Dynamik. Sie schert sich nicht um Moral und Zwänge, ist völlig ungebunden und in vollkommener Harmonie mit den Gesetzen der Natur. Begib Dich in ihr Reich der Prüfungen und Transformation und erlebe Wandlung und Wiedergeburt.

 

Sie führt Dir das Rad des Lebens vor Augen – Geburt, Leben, Tod, Wiedergeburt – und lässt Dich diesen Kreis immer wieder vollenden, um ihn von Neuem zu beginnen.

 

Copyright Coco 2006